Schüleraustausch der 9f nach Objezierze/Polen vom 24.9.-28.9.2001


Erlebnisse und Eindrücke - aufgeschrieben von Evelyn

 

Juhhhhhuuuu! Endlich ging es los. Ich glaube, alle freuten sich auf die Fahrt. Das war mal was Besonderes. Allein in einer Gastfamilie, in einer Familie, die man nicht kennt. Ich hatte das Glück, auch noch bei meiner Brieffreundin unterzukommen, die ich früher schon über den Kontakt unserer Schulen kennen gelernt habe. Ich freute mich wahnsinnig, endlich lernte ich Anna persönlich kennen.

Die Fahrt war lang. Ich glaube, acht Stunden Zugfahrt hin. Aber wir hatten riesigen Spaß, auch wenn wir 4 oder 5mal umsteigen mussten.

 

 

In Polen angekommen, warteten wir erst einmal auf dem Bahnsteig, bis Adam Malinski, unser „Kontaktmann“, angehetzt kam. Es tat ihm wahnsinnig leid, dass er sich verspätet hat: Verzeihung, Verzeihung! Die Polen haben sich allgemein oft für Kleinigkeiten entschuldigt. Aber wir hatten ja schon einen Eindruck dieser typisch polnischen Höflichkeit am letzten Schultag bekommen, als Adam und der Schulleiter zu uns nach Deutschland gekommen waren, um mit uns persönlich die letzten Kleinigkeiten zu klären.

Vor dem Bahnhof wartete ein Bus auf uns. Wir mussten nur eine Dreiviertelstunde fahren. Die Fahrt war sehr lustig. Als wir durch das prachtvolle Eingangstor zur Schule fuhren, sangen viele lauthals. Adam klatschte und freute sich.

 

 

Vor der Schule standen schon ein paar Schüler und Lehrer. Sie führten uns in den Konferenzsaal, wo zwei lange Holztafeln und viele mit prächtigen Schnitzereien verzierte Holzstühle aufgebaut waren. Wir mussten an die pfeifenden Plastikstühle unserer Schule denken. Kurze Begrüßungsrede vom Schulleiter, kurze Begrüßungsrede von Herrn Müller, viel „Danke“ war zu hören. Dann stellten wir uns gegenseitig vor. Danach durften wir an der einen Tafel Tee trinken und Kekse essen. Die Polen mussten an der anderen Tafel sitzend zugucken. So eine Ungerechtigkeit! Und für uns sehr unangenehm.

Wir wurden in unsere Gastfamilien eingeteilt. Unsicheres Gelächle auf beiden Seiten. Gefolgt von Herumstehen.

Und schon mussten wir uns jeder für sich auf den Weg zu unseren Familien machen. Siobhán fuhr in unserem Auto mit. Ich fragte sie, ob sie sich mit ihrer Gastgeberin unterhalten könne. „Najaaaa. Auf Deutsch ein bißchen.“ Ich fragte Anna: „Soll ich auf Englisch oder auf Deutsch mit dir reden?“ Die Antwort war: „Ja!“ Was meinte sie jetzt? Ich verzichtete auf eine Nachfrage. Das erste Abendessen war schwierig für mich. Es schien mir so, als wenn die Eltern Anna  die ganze Zeit aufforderten, mit mir zu reden. Doch wie? Anna konnte fast kein Deutsch und genauso wenig Englisch.

Ich schlief mit Anna und ihrem kleinen Bruder in einem Zimmer. Das ausgeklappte Sofa war nicht sehr bequem, aber für 5 Tage würde es schon gehen. Ich stellte mir Fragen wie: Warum um Gottes Willen konnte man das Badezimmer nicht abschließen? Wieso war unsere Zimmertür nachts sperrangelweit auf?? Naja, ich würde es schon überleben.

Am ersten Tag wachte ich schon ein wenig früher auf, als ich aufstehen musste. Kein Wunder, ich hatte fast die ganze Nacht kein Auge zugetan. Danach wurde ich vor den Computer gesetzt, da gab es keine Widerrede, und musste ein Motorradrennspiel bewältigen. Die nächsten Tage verliefen ähnlich: Vormittags haben Anna und ich uns die Zeit vertrieben, bis wir dann zur Schule aufbrachen.

Nachmittags trafen wir uns immer mit der Klasse.Wir besuchten zwei Städte, Oborniki und Posen. In Oborniki gingen einige in das Schwimmbad, auf das die Polen sehr stolz waren. Die anderen machten einen Stadtbummel. In Posen gingen alle zusammen erst Kirchen besichtigen. Diese Kirchen wurden gerade restauriert, doch man konnte noch genug von ihnen sehen, so dass sie mich sehr beeindruckten. Herr Müller ließ sich ausführlich über ihren barocken Baustil aus.

 

 

Dann hatten wir unsere Freizeit. Die meine Gruppe zum Schlendern durch die Stadt nutzte. Wir entdeckten ein mehrstöckiges, rundes Kaufhaus. Im Innern wanden sich drei Treppen zu den verschiedenen Stockwerken. Nachdem wir die erste Treppe bis in den sechsten oder siebten Stock gestiegen waren, fanden wir heraus, dass das Stockwerk, das wir suchten, auf einer anderen Treppe zu erreichen war. Na toll! Also noch einmal von vorn. Wir versuchten auch den Fahrstuhl zu nehmen, aber darin stand ein Mann vom Personal, der nicht verstand, was wir wollten und uns nicht in den Fahrstuhl ließ. Dann doch lieber die Treppen.

Auch eine Wolfsstation hatte noch in dem Programm Platz. Die Wölfe dort waren zwar ganz nett anzuschauen, aber es war dann doch auf die Dauer langweilig, ca. zwanzig Minuten (so lang kam mir die Zeit jedenfalls vor), einer Pflegerin zu lauschen. Zudem erzählte diese Frau immer hauptsächlich persönliche Angaben der Wölfe: Alter, wie er zu ihnen gefunden hatte, usw.

 

 

Das Besuchsprogramm, das unsere polnischen Gastbeger ausgearbeitet hatten, fanden viele (oder alle?) langweilig, auch wenn wir zwischendurch Spaß hatten und schon viele Sachen gestrichen wurden.

Es gab auch besondere Abendveranstaltungen, an denen eine polnische Schülerin Gitarre spielte, und die anderen sangen - auch die Jungs. ( Könnte es das auch bei uns geben? Wäre fraglich) Wir wurden auch aufgefordert zu singen. Uns fiel nichts besseres ein als „Country Roads“, „Mamor, Stein und Eisen bricht“ und „wir wollen Frieden“. Dabei kamen wir uns etwas dämlich vor, aber es war besser als nichts.

Und fast jeden Tag gab es irgendeine offizielle Angelegenheit. Als erstes die Begrüßungsrede vor dem Schloss. Wir kamen uns vor wie im Zoo. Die polnischen Schüler starrten ohne jede Scheu. Aber das wird an unserer Schule bestimmt auch nicht anders sein. Wieder ein paar Reden - dann war Schluss. Weiter ging es im Tagesprogramm.

Oder die Begrüßung vom Vizebürgermeister und vom Bürgermeister persönlich. (Wir saßen an einer langen Tafel, vor Keksen und Brause.) Der Bürgermeister sagte immer: „ Ich will mich kurz fassen, denn ich weiß ja, das die jungen Leute keine langen Reden mögen, aber...“ Und dann kam doch nicht so wenig.

Eines Abends fuhr ich mit Anna und ihrem Vater nach Posen. Es war an dem Tag, an dem wir mit der Klasse nachmittags bereits in Posen gewesen waren. Von dem Fahrstil des Vaters war ich nicht sehr begeistert. Mitten im Kreisverkehr versagte zwischendurch die Gangschaltung - oder der Vater. Als ein LKW vor uns (normal) abbremste, bremste Annas Vater mit quietschenden Reifen. Anna lag fast auf dem Amaturenbrett. Während er anfuhr, ruckelte der Wagen stark. Mann, war ich froh, als wir endlich da  waren. Anna hatte auch eine Cousine, die wir in der Nähe von Posen an diesem Tag besuchten. Sie konnte Englisch, auch wenn mit einer mir oft nicht bekannten Aussprache. Nach dem Besuch sind wir mir der Cousine einmal um die Kirche gelaufen, um dann wieder nach Hause zu fahren.

Abschied. Als unsere Klasse wieder aufbrechen musste, waren wir doch sehr traurig. So richtig gesungen haben wir jedenfalls nicht mehr im Bus. Die Heimreise dauerte zehn Stunden und wurde für mich nach einiger Zeit langweilig. Aber ich freute mich auf zu Hause, denn die Zeit in Polen war schön gewesen, aber auch anstrengend. Und gegen Ferien (die sofort nach unserer Ankunft begannen) habe ich im allgemeinen auch nichts einzuwenden.

 

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