Radarkontrolle ohne finanzielle Folgen
Praktische Verkehrserziehung an der KGS Clenze


fk Clenze. Die Gruppe Jugendlicher am Straßenrand fällt dem Autofahrer kaum auf. Auch sonst wechseln hier an Clenzes Hauptstraße Pulks von Schülern zwischen Schulgelände und Supermarkt hin und her.

 

Der kleine Apparat in der Hand eines Schülers ist im Vorbeifahren für Autofahrer nicht zu identifizieren. Es könnte eine Kamera sein.

 

Doch es ist ein Geschwindigkeitsmessgerät der Polizei. Kaum hat ein Auto diese Stelle passiert, zeigt ein Klingelton wie der eines Handys die Messung an. Aber am gestrigen Donnerstag hat kein Autofahrer etwas zu befürchten. Denn gestern waren die Personen hinter dem Messgerät wichtiger als die in den Autos davor.

 

Die Aktion gehört zum Programm der Verkehrstage an der Kooperativen Gesamt- schule (KGS), der »Drawehn-Schule» in Clenze. An zwei Tagen, auf mehr als einem Dutzend Stationen, können Schülerinnen und Schüler praktisch erfahren, worauf es im Straßenverkehr ankommt.

 

Zum Beispiel darauf, sich in die Situation des anderen Verkehrsteilnehmers zu versetzen. Der im toten Winkel eines Rückspiegels eben nichts mehr sieht, selbst wenn er noch so aufmerksam hinschaut. Oder der Mühe hat, sein Auto zum Stehen zu bringen, wenn ein Jugendlicher knapp vor ihm auf die Straße läuft. Die Schule hat für ihren Anschauungsunterricht Partner gewonnen. Den Bremstest mit einem Auto auf trockener und nasser Fahrbahn führt der ADAC vor. Das DRK zeigt die Einzelheiten eines Rettungswagens. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aus Bergen veranstaltet an beiden Tagen Erste-Hilfe-Kurse. Die Verkehrs- wacht und die Polizei aus Lüchow und Clenze stellen Wagen, Personal und Gerät. Vor vier Jahren gab es zum letzten Mal Verkehrserziehung in dieser Form an der KGS. Es sei ein großer organisatorischer Aufwand, meint Holger Müller, Schul- obmann für den Verkehrsunterricht. Üblicherweise ist das Verhalten im Straßen- verkehr Teil des normalen Unterrichts. Doch die praktische Anschauung auf der Straße vermittele eben wesentlich mehr als jeder Film zeigen kann.

 

Glücklicherweise gab es in den vergangenen vier Jahren keinen Unfall im Schulbereich der KGS, weiß Müller. Aber schon die tägliche Situation an den Schulbussen, das Ein- und Aussteigen an den Haltepunkten oder an der Schule selbst, produzieren oft gefährliche Situationen für Schüler und auch für Autofahrer. Eigentlich wollte die Schule eine »Verkehrserkundung» in Clenze organisieren. Schüler streifen in Gruppen durch den Ort, um gefährliche Punkte im Straßenverkehr zu erkunden. Anschließend sollte die Kommunalpolitik veranlasst werden, für Abhilfe zu sorgen. Doch das Vorhaben erwies sich als eine Nummer zu groß für die Organisationsfähigkeit der Schule. Die Autofahrer, die an der Schülergruppe vorbeifahren, erfahren überhaupt nichts von der Messung. Selbst wenn sie zu schnell sein sollten - gestern diente eben alles nur der Anschauung. Strafzettel hatte von der Polizei niemand zu erwarten, obwohl einige Fahrer zu schnell waren.


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