Juniorwahl im September 2013


 
 
 
 
 
 

  

Politiker, Parteien und Programme
Drawehn-Schule Clenze nahm an Juniorwahl teil

Schüler wählen – außer bei Kommunalwahlen war das bisher für die meisten Schüler der Kooperativen Gesamtschule Clenze ein fernes Ziel.  Und selbst dieOberstufenschüler, die inzwischen an der KGS Clenze ihr Abitur machen können, hatten bestenfalls theoretische Erfahrungen mit Wahlrecht und Bundestag. 
Das Projekt Juniorwahl, eine simulierte Bundestagswahl mit denselben Kandidaten und Parteien, die am 22.September dem wahlberechtigten Bürger auf dem Stimmzettel begegnen, hat die Distanz der Schüler zur aktuellen Bundespolitik entscheidend verringert.  
Elf Politiklehrerinnen und -lehrer beteiligten sich mit 16 Kursen oder Klassen an diesem bundesweiten Projekt. 332 Schülerinnen und Schülern beschäftigten sich so im Unterricht in den vergangenen Wochen mit Politikern, Parteien und Programmen, um schließlich zwei Kreuze auf einen blauen Stimmzettel zu setzen.
Doch es ist weitaus mehr, was der Unterricht an Spuren hinterließ: „Die Verbindlichkeit, die durch den Wahlakt erreicht wird, hat auch den Unterricht, die Auseinandersetzung mit politischen Meinungen intensiver werden lassen“ , resümierte der Politiklehrer Ronny Gärtner, der sowohl in einer neunten Klasse als auch mit einem Oberstufenkurs beteiligt war.
Stefan Zauner, kommissarischer Fachbereichsleiter für Politik, Geschichte, Erdkunde an der Drawehn-Schule, ist begeistert über die Resonanz und die Ernsthaftigkeit, die die Schüler bei Wahlhelfertreffen und der Abwicklung im Wahllokal an den Tag legten. Dafür wurden in der modernen Mediothek extra zwei Wahlkabinen aufgebaut. Eine versiegelte Urne hinterließ rasch den Eindruck einer „echten“ Wahl bei den wahlberechtigten Schülern, die zur Stimmabgabe daher auch ihre entsprechende Benachrichtigungskarte mitbringen mussten.  Die Organisation lag in der Hand des Wahlvorstandes, der neben Zauner von den gewählten Schülern Benjamin Willruth und Maximilian Wons aus einer neunten Klasse des Realschulzweigs bestand.
Besonders spannend für die beiden politikinteressierten Schüler die Auszählung, wollte Wons z.B. wissen, ob auch Schüler taktisch wählen und zum Ziel einer bestimmten Parteienkoalition  Stimmen splitten oder ob Parteien in den Vordergrund treten, die bei den Erwachsenen eine geringere Rolle spielen.
Natürlich waren bei der Bandbreite der beteiligten Klassen vom Jahrgang 7-12 auch die Lehrkräfte gefordert. Unermüdlich dem Letzten klarzumachen wie wichtig diese Beteiligung im demokratischen System ist, wie kompliziert andererseits es auch ist, im Dschungel der Schlagwörter den passenden Weg durch die Wahlprogramme zu finden, denke man nur an die Varianten zum Thema Lohn, wo u.a. von Lohnzusatzkosten, ordentlichem Lohn, lohnender Leistung, Reallohn, Mindestlohn, Lohndumping die Rede ist, erforderte viel Fingerspitzengefühl bei der Auswahl der Materialien. „Natürlich kamen da auch immer wieder Ausschnitte aus den regionalen Tageszeitungen zum Einsatz“, betont Gert Hannemann, der mit zwei Hauptschulklassen beteiligt war.
Der Lohn dieser Mühen zeigte sich in der Wahlbeteiligung. Über 90 Prozent gaben ihren Stimmzettel ab.

Als der renommierte Parteienforscher, Professor Jürgen Falter, Ende des letzten Jahrtausends in den USA vom „kids voting“ erfahren hatte, einem Projekt, bei dem schon Sechsjährige an Wahlen herangeführt werden, leitete er seine Idee der Juniorwahl davon ab und brachte sie in einem seiner TV-Auftritte bei der Polit-Talkshow „Christiansen“ ins Gespräch. Seit 2009 gibt es diese Möglichkeit der „selbstverständlichen Demokratieeinübung“, wie er sie sportlich nennt, in Deutschland. Und wie es scheint, mit einer Rekordbeteiligung von einer halben Million Schülern bei dieser Wahl 2013. Parallel zu den ersten Hochrechnungen am kommenden Sonntag werden die Ergebnisse der Juniorwahl auf juniorwahl.de bekanntgegeben. Mit Sicherheit sitzen dann auch zahlreiche Clenzer Schüler vor Laptop und Fernseher.

Stefan Zauner
komm. Fachbereichsleiter

  


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