Chronologie, "Wer hilft wie?" und viele repräsentative Fotos


   

 

Ü b e r f l u t u n g   -   D e i c h e   -   S i r e n e n   -   B a n g e n

 

Lüchow, den 18.08.2002: Es wird für den gesamten Landkreis Katastrophenalarm ausgerufen. Die Menschen, die in Hitzacker leben, wollen trotz fehlender Deiche der Flut mit Gelassenheit gegenübertreten. Auch in Gartow sind die Einwohner überzeugt, dass die Deiche halten werden. Zweifel kommen allerdings in Laasche auf. Die Deiche sind in einem miserablen Zustand und man denkt schon jetzt darüber nach Laasche zu evakuieren. An der Elbe wurden sämtliche Boote, Fähren und Steege im Kreisgebiet bereits gesichert.

 

In Lüchow besteht kein Grund zu übertriebener Panik, die Deichsicherung ist nur eine Vorsichtsmaßnahme!!! Jetzt kommt die Flut!!!

 

Am Morgen des 21.08.2002 bricht in Laasche ein Damm. Es sind jedoch keine besonderen Maßnahmen zu treffen, da das nun vollständig überflutete Dorf bereits evakuiert ist. Auch der Campingplatz steht bis zu 2 m unter der braunen Brühe. In der Nacht erreicht die Flut auch Hitzacker. Die Altstadt steht 1,50 m unter Wasser. Vereinzelt sind kleine Boote an schmalen Stegen festgemacht, in denen der Flut trotzende Bürger ihre Häuser verlassen. In Gartow fällt der Strom aus, das Klärwerk wird jedoch über ein Notstromaggregat versorgt.

   

   

Wir schreiben den 23.08.2002, das Elbvorland um Pevestorf ist vollständig überflutet. Die Jeetzel staut sich zurück, doch das Hochwasser ist nicht so gewaltig wie befürchtet. Trotzdem werden die Deiche weiterhin mit Hilfe von Sandsäcken erhöht. In Lüggau arbeiten jetzt Pumpen, um den Jeetzeldeich zu entlasten. Der Krisenstab tagt.

 

Szenenwechsel nach Dannenberg: Überall hört man Sirenen und die Stadt wird von Gruppen der Feuerwehr, des THW, des Roten Kreuzes und des DRLG bevölkert. Durch die Stadt kann man nicht mehr richtig fahren, es gibt zu viele Absperrungen und Umleitungen. Die Landschaft zwischen Dannenberg und Hitzacker ist überschwemmt, teilweise stehen sogar die Straßen unter Wasser.

 

Drei Tage später: Die Sicherung des Deiches in Pisselberg hält 2.000 Helfer in Schach. Das Hochwasser sinkt Stück für Stück, doch der Katastrophenalarm besteht weiterhin, da die durchweichten Deiche noch immer eine Gefahr darstellen. 

   

   

 

E i n e   C h r o n o l o g i e   d e r   J a h r h u n d e r t f l u t

i n   D e u t s c h l a n d

 

Montag,                 12.08.2002

Im Erzgebirge und in Dresden wird wegen des Hochwassers der Katastrophenalarm ausgelöst. In Glashütte bricht ein Damm. Mehrere Menschen stürzen in die Müglitz und werden seitdem vermisst. Auf Passau rollt eine Flutwelle zu. In Teilen Tschechiens wird der Notstand ausgerufen. Prag bleibt von den Wassermassen verschont.

 

 

Dienstag, 13.08.2002

Das Hochwasser nimmt historische Ausmaße an. Die Zahl der Todesopfer in Europa steigt auf mindestens 80. In Sachsen sind mehrere Orte von der Außenwelt abgeschnitten. In Österreich und Tschechien versinken ganze Landstriche in den Wassermassen. Teile Prags werden evakuiert.

 

 

Mittwoch, 14.08.2002

Regensburg wird von einer Flutwelle erfasst. Zehntausende kämpfen in Dresden gegen Überschwemmungen. In Sachsen steigt die Zahl der Todesopfer auf 8. In Sachsen-Anhalt überschwemmt die Mulde im Landkreis Bitterfeld mehrere Orte. Auch Prag wird teilweise von den Wassermassen überflutet..

 

 

Donnerstag, 15.08.2002

Dresden wird von einer Hochwasserwelle überflutet. Dort und in Pirna werden Wohnhäuser geräumt und Museen gesichert. In Tschechien stehen Teile des Chemiewerks Spolana in der Nähe von Usti nad Labem unter Wasser. Im Raum Regensburg und Passau entspannt sich die Lage langsam.

 

 

Freitag, 16.08.2002

Am Morgen überschreitet die Elbe in Dresden den historischen Höchststand von 8,77 Metern aus dem Jahr 1845 - normal sind rund 2 Meter. Historische Gebäude werden überflutet.

 

 

Samstag, 17.08.2002

In Dresden beginnt die Elbe beim Höchststand von 9,40 Metern zu sinken. In Bitterfeld dringt das Wasser in die Innenstadt ein. In Tschechien und Bayern hat sich die Lage entspannt.

 

 

Sonntag, 18.08.2002

Im evakuierten Torgau in Sachsen gibt der Deich nach. Auch im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt strömt die Flut nach einem Dammbruch auf mehrere bereits geräumte Orte zu. In Dessau kann ein Deich an der Mulde nicht gehalten werden. Bundeskanzler Gerhard Schröder trifft sich mit seinen Amtskollegen aus Österreich, Tschechien und der Slowakei sowie EU-Kommissionspräsident Romano Prodi zu einem Hochwassergipfel.

 

 

Montag, 19.08.2002

Die Flutwelle erreicht Norddeutschland, die Pegel steigen schneller als erwartet. In Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein werden Schutzdeiche mit mehr als einer Million Sandsäcke verstärkt. Am Mittellauf der Elbe bleibt die Lage kritisch: Allein im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt meldet der Krisenstab sieben Dammbrüche. Die Regierung beschließt die Verschiebung der zweiten Stufe der Steuerreform von 2003 auf 2004.

 

 

Dienstag, 20.08.2002

Der Scheitel des Hochwassers verlagert sich ins nördliche Sachsen-Anhalt und Brandenburg, während in Sachsen das Aufräumen beginnt. In Sachsen-Anhalt bricht am Elbe-Umflutkanal bei Magdeburg der Deich. Mehrere Dörfer werden evakuiert. Im Kreis Prignitz wird der Katastrophenalarm ausgelöst.

 

 

Mittwoch, 21.08.2002

In Sachsen hat das Hochwasser einen Schaden von rund 15 Milliarden Euro angerichtet. Die Flutwelle bedroht die Deiche in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg sind die Deiche gefährdet und Gebiete mit mehr als 60.000 Menschen evakuiert.

 

 

Donnerstag, 22.08.2002

Die Wassermassen bedrohen die Deiche im Norden. Tausende Helfer arbeiten rund um die Uhr. Brennpunke sind die Prignitz und Elbabschnitte in Niedersachsen. Noch immer müssen mehr als 45000 Menschen in Notunterkünften ausharren. Bei Umweltschützern wächst die Sorge um mögliche Dioxine aus dem Chemiewerk Spolana in Tschechien. Die Union erklärt sich bereit, den Steuerplänen der Regierung noch vor der Bundestagswahl zuzustimmen.

 

 

Freitag, 23.08.2002

Die aufgeweichten Deiche in Niedersachsen und Mecklenburg bleiben unter Druck. Mehrere Orte werden evakuiert. Noch mindestens 30000 Menschen harren in Notunterkünften aus, rund 25000 Soldaten der Bundeswehr sind im Einsatz. Die Zahl der Toten erhöht sich Bundesweit auf 18. Die SPD und Kanzler Gerhard Schröder profitieren nach Meinungsumfragen vom Krisenmanagement.

 

 

Samstag, 24.08.2002

Das tückische, aber leicht sinkende Hochwasser zwingt die Helfer zu immer neuen Noteinsätzen an den vielen Sickerstellen. Nur durch ständig neue Sandsäcke widerstehen die Elbdeiche dem tonnenschweren Druck. Durch zwei Deichsprengungen zwischen Dessau und Wittenberg soll ein Rückfluss des Wassers zurück in die Elbe erreicht werden. Die SPD sieht durch die Umfragen einen Wendepunkt im Wahlkampf zu ihren Gunsten. Die Spenden für die Opfer wachsen auf einen Rekordstand. Bundesweit gibt es jetzt 20 Tote.

 

 

Sonntag, 25.08.2002

Im Norden geht der Kampf um die vielerorts weich wie Pudding werdenden Deiche weiter. In Magdeburg sinkt der Pegel schneller als erwartet. In Dresden werden die Aufräumarbeiten fortgesetzt. Weiter sind zehntausende Bundeswehrsoldaten in den Hochwasserregionen im Einsatz. Der Streit um die Finanzierung der Fluthilfe geht weiter. Wirtschaftsverbände lehnen Steuerbelastungen ab. Die EU-Kommission kündigt Hilfen für die Opfer an.

 

 

Montag, 26.08.2002

Während sich die Lage in den Hochwassergebieten weiter entspannt, gewinnt der politische Streit um die Wiederaufbauhilfe an Schärfe. Die CDU beharrt auf ihrem Vorschlag, Bundesbankgewinne zur Finanzierung der Flutschäden einzusetzen. Die FDP kündigt ein eigenes Hilfsprogramm an. Die Bundesregierung bringt den Gesetzwurf zur Errichtung des Milliarden-Hilfsfonds auf den Weg.

 

 

Dienstag, 27.08.2002

Die Hochwasserlage hat sich in Niedersachsen deutlich entspannt. Die 1400 evakuierten Einwohner von Amt Neuhaus dürfen wieder in ihre Häuser zurückkehren. Damit ist die letzte Evakuierung in Niedersachsen aufgehoben. Nach Angaben des sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt starben im Hochwasser in Sachsen insgesamt 21 Menschen. Verkehrsminister Kurt Rodewig kündigt weitere Umschichtungen im Bundeshaushalt für die Beseitigung der Hochwasserschäden an. Allein in seinem Etat seien Einsparungen von einer Milliarden Euro vorgesehen. Als Schwerpunkt nennt der SPD-Politiker den Aufbau der zerstörten Infrastruktur.

   

 

U n t e r s t ü t z u n g

 

Als das Hochwasser kam, haben alle geholfen entweder mit Spenden oder mit körperlicher Unterstützung. Zuerst wurde viel geschippt, doch dann ging die Zahl der Helfer für eine Weile zurück, da viel erschöpft waren. Unterdessen wurde in anderen Gebieten auch in der Nacht Sand geschippt.

 

Insgesamt waren ca. 5.500 Helfer bis zum 21. August im Einsatz, davon halfen alleine von der Feuerwehr fast 2.300 Männer, die Bundeswehr half mit ca. 1300 Soldaten. Gut 3 Millionen Sandsäcke wurden bis dahin verbaut. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg waren es 1,6 Millionen Sandsäcke. Da alle halfen, ging es schnell voran. Die, die nicht schippten, schmierten Brote, kochten Kaffee und nahmen obdachlose Nachbarn auf.

   

   

Nicht nur Erwachsene halfen mit, ganze Schulklassen kamen an um Sand zu schippen.

   

   

Teilweise spendeten kleine Kinder auch ihr Taschengeld für die Fluthilfe. In Sachsen durften und dürfen alle Geschäfte rund um die Uhr geöffnet haben, um den Helfern und Betroffenen die Möglichkeit zu geben, Lebensmittel, Kleidung und wichtige Materialien zu holen.

 

Nicht nur die Anwohner halfen. Insgesamt betrug die unmittelbare Hilfe fast 500 Millionen € (Bund und Länder: 300 Millionen € ; Wirtschaft: 70 Millionen € Geld- und Sachspenden; Bund: 100 Millionen € bar an die Betroffenen Bürger).

 

Auch große Firmen spendeten z. B. Notstromaggregate, Pumpen und Trennschleifer, die an die Feuerwehren gingen. Andere Staaten spendeten auch. So schickte Moskau z.B. 15 Lkws und Mallorca lädt die Flutopfer für je eine Woche zur Erholung ein.

 

Auch wenn das Hochwasser vorbei ist, ist viel zu tun, denn ein großer Teil der Arbeit liegt noch vor allen, wenn es an das Aufräumen geht sind viele Helfer gefragt und die wahren Umfänge des Hochwassers tauchen erst dann auf. Die Betroffenen sind trotzdem jetzt schon erleichtert, dass so viele geholfen hatten und hängten große Plakate mit Danksprüchen auf.

   

   

 

A u c h   S c h ü l e r   h e l f e n   m i t

 

Die Hilfsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler im Landkreis Lüchow-Dannenberg war enorm. Viele Schulklassen fuhren mit Sonderfahrten zu den Überflutungsgebieten und schippten Sandsäcke. Mangelnde Hilfsbereitschaft herrschte zur Hochwasserzeit nicht. In der Zeit des Hochwassers war teilweise im Landkreis Lüchow-Dannenberg schulfrei. In Clenze hatte man, wegen des Gebrauchs der Schulbusse zur Evakuierung der Hochwasseropfer, vier Tage schulfrei. In Lüchow hingegen hatte man sechs Tage schulfrei. Trotz Schulfrei sind trotzdem viele Schüler morgens zu den Kiesgruben gefahren um den Betroffenen beim Sandsäcke schippen zu helfen. 

   

   

In der EJZ war am 22.08.02 ein Bericht über Schüler, die in den Hochwassergebieten waren und halfen. Simone Reichstein (16) sagte in einem Interview, dass man angesichts der Gefahr etwas tun müsse. Jonathan Nimz (14) sagte: "Hier ist eine Teilnahme ebenso Pflicht wie bei einer Castor-Demo." Es wurden auch noch vier Mädchen, Frauke Dobers (10), Theresa Haacke (9), Henrike Sonderhoff (10) und Fraukes Schwester Dörte (8), interviewt. Die vier haben zwar keine Angst vor dem Hochwasser, weil ihre Häuser weit genug weg sind, aber man müsse ja den Menschen helfen, die direkt betroffen sind.

 

Wir finden es gut, wie die Menschen zu der Zeit des Hochwassers zusammenhalten. Durch das Helfen lernt man auch viele Leute kennen und manchmal entstehen auch neue Freundschaften. Für die Helfer kann die Arbeit außerdem auch Spaß machen. 

   

   

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